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Wie ich meine erste SaaS-App launched habe
How I Launched My First SaaS App
27. Februar 2026
8 Min. Lesezeit
Andreas Binder
Ich war Lehrer. Ich hatte keine Programmiererfahrung. Ich hatte ein Problem, das mich täglich genervt hat – und irgendwann die Entscheidung, es selbst zu lösen, statt darauf zu warten, dass es jemand anderes tut. Was zwischen diesem Entschluss und dem ersten zahlenden Nutzer liegt, war weder glamourös noch geradlinig. Aber es war lehrreicher als alles, was ich in meiner Ausbildung gelernt habe.
Das ist die Geschichte, wie Tekadio entstanden ist – und was ich dabei gelernt habe, das in keinem Startup-Buch steht.
Phase 1: Die Idee, die sich nicht wegdenken ließ
Als Lehrer verbringst du einen erschreckend großen Teil deiner Zeit mit Dingen, die nichts mit Unterrichten zu tun haben. Prüfungen erstellen. Antworten korrigieren. Noten eintragen. Für jede Klasse, jedes Fach, jede Woche. Das multipliziert sich schnell auf Dutzende Stunden pro Monat.
Meine Idee war simpel: Was, wenn eine KI das erledigt? Quiz-Fragen generieren, Antworten bewerten, Feedback formulieren. Nicht perfekt – aber gut genug, um 80% der Routinearbeit abzunehmen.
Ich habe die Idee wochenlang mit mir herumgetragen. Gegengründe gesucht. Mir eingeredet, dass ich das nicht bauen kann. Irgendwann war ich den Gegengründen gegenüber immun – und habe angefangen.
Der Weg von der Idee zum ersten Prototyp
Woche 1–2
Prototyp mit Replit und KI
Kein Setup, kein Server-Chaos. Direkt im Browser gebaut. KI hat den Code geschrieben, ich habe Richtung und Logik vorgegeben. Erster funktionierender Entwurf nach zwei Wochen.
Woche 3–5
Erstes echtes Feedback
Drei Lehrer-Kollegen haben die App ausprobiert. Das Feedback war ernüchternd und wertvoll zugleich: Die Kernfunktion funktionierte. Alles andere war noch roh.
Woche 6–10
Rechtliches, Branding, Landing Page
Gewerbeschein, DSGVO, Datenschutzerklärung – der Teil, den niemand sieht und der trotzdem entscheidend ist. Gleichzeitig: Landing Page, die tatsächlich erklärt, was die App macht.
Woche 11
Launch und erste Nutzer
Meta-Ads mit €0.31 Cost-per-Click. Erste Registrierungen. Erster zahlender Nutzer. Kein viraler Moment – aber ein echter Beweis, dass das Produkt einen Markt hat.
Was niemand über den ersten Launch erzählt
Der Launch selbst ist anticlimaktisch. Du drückst auf einen Knopf. Nichts passiert. Du schaust auf deine Registrierungs-Zahlen. Sie sind niedrig. Du fragst dich, ob du ein Jahr deiner Freizeit verschwendet hast.
Der erste Nutzer kommt nicht mit Fanfare. Er kommt leise, vielleicht über eine Anzeige oder eine Empfehlung, registriert sich, schaut sich um – und du weißt nicht einmal, warum er geblieben ist. Aber er ist geblieben.
„Dein erstes Produkt muss nicht perfekt sein. Es muss real sein.“
Was mich am meisten überrascht hat: Das Produkt, das ich gebaut habe, war nicht das Produkt, das Nutzer wollten. Ich hatte Annahmen gemacht. Manche stimmten. Viele nicht. Der Launch war nicht das Ende der Entwicklung – er war der Beginn des echten Lernens.
Die teuersten Fehler, die ich gemacht habe
Zu lange gebaut, zu spät gezeigt. Ich hätte drei Monate früher echtes Feedback holen können. Stattdessen habe ich Features gebaut, die niemand gebraucht hat, weil ich Angst vor zu frühem Feedback hatte.
Technisches Overengineering. Als Nicht-Entwickler neigt man dazu, bei jeder KI-Empfehlung einfach Ja zu sagen. Ergebnis: eine Architektur, die für ein 10-Personen-Startup gebaut war, aber von einer Person betrieben werden musste. Nachträglich vereinfachen ist mühsam.
Marketing zu spät gestartet. Ich dachte: erst fertig bauen, dann vermarkten. Das Richtige wäre: parallel bauen und eine Warteliste aufbauen. Zum Launch hat dich niemand gekannt. Das hätte anders sein können.
Was ich beim nächsten Mal anders mache
Lektionen für den nächsten Launch
- Warteliste aufbauen, bevor das Produkt fertig ist
- Nach 4 Wochen erstes echtes Feedback einholen – egal wie roh
- Einfachste technische Lösung wählen, die funktioniert
- Rechtliches und DSGVO von Anfang an einplanen – nicht am Ende
- Einen einzigen Kanal für Marketing wählen und konsequent bleiben
- Preise früher testen – kostenlose Nutzer sind kein Beweis für ein Geschäftsmodell
War es das wert?
Ja. Nicht wegen der Zahlen – die sind noch ausbaufähig. Sondern weil ich heute ein Produkt in der Welt habe, das ich ohne Mitgründer, ohne externes Budget und ohne klassisches Programmier-Studium gebaut habe. Das verändert, wie man auf Probleme schaut. Nicht mehr: „Jemand sollte das lösen.“ Sondern: „Ich könnte das lösen.“
Das ist der eigentliche Wert des ersten Launches. Nicht der Umsatz. Das Mindset-Shift.
I was a teacher. I had no programming experience. I had a problem that annoyed me every single day – and at some point, I decided to solve it myself instead of waiting for someone else to do it. What lies between that decision and the first paying user was neither glamorous nor straightforward. But it was more educational than anything I learned during my formal training.
This is the story of how Tekadio came to be – and what I learned along the way that you won't find in any startup book.
Phase 1: The Idea That Wouldn't Go Away
As a teacher, you spend a shockingly large portion of your time on things that have nothing to do with actual teaching. Creating exams. Grading answers. Recording marks. For every class, every subject, every week. It quickly adds up to dozens of hours per month.
My idea was simple: What if AI could handle that? Generate quiz questions, evaluate answers, formulate feedback. Not perfect – but good enough to take over 80% of the routine work.
I carried the idea around with me for weeks. Looked for reasons against it. Told myself I couldn't build it. At some point, I became immune to the counterarguments – and started.
The Path from Idea to First Prototype
Week 1–2
Prototype with Replit and AI
No setup, no server chaos. Built directly in the browser. AI wrote the code, I provided direction and logic. First working draft after two weeks.
Week 3–5
First Real Feedback
Three teacher colleagues tried the app. The feedback was sobering and valuable at the same time: the core function worked. Everything else was still rough.
Week 6–10
Legal, Branding, Landing Page
Business license, GDPR, privacy policy – the part nobody sees but that's still crucial. At the same time: a landing page that actually explains what the app does.
Week 11
Launch and First Users
Meta Ads at €0.31 cost-per-click. First registrations. First paying user. No viral moment – but real proof that the product has a market.
What Nobody Tells You About Your First Launch
The launch itself is anticlimactic. You press a button. Nothing happens. You stare at your registration numbers. They're low. You wonder if you wasted a year of your free time.
The first user doesn't arrive with fanfare. They come quietly, maybe through an ad or a recommendation, sign up, look around – and you don't even know why they stayed. But they stayed.
"Your first product doesn't have to be perfect. It has to be real."
What surprised me most: the product I built wasn't the product users wanted. I had made assumptions. Some were right. Many weren't. The launch wasn't the end of development – it was the beginning of real learning.
The Most Expensive Mistakes I Made
Built too long, showed too late. I could have gotten real feedback three months earlier. Instead, I built features nobody needed because I was afraid of premature feedback.
Technical overengineering. As a non-developer, you tend to say yes to every AI recommendation. Result: an architecture built for a 10-person startup but operated by one person. Simplifying after the fact is painful.
Started marketing too late. I thought: build first, market later. The right approach would have been: build and grow a waitlist in parallel. By launch, nobody knew you. That could have been different.
What I'll Do Differently Next Time
Lessons for the Next Launch
- Build a waitlist before the product is finished
- Get real feedback after 4 weeks – no matter how rough
- Choose the simplest technical solution that works
- Plan for legal and GDPR from the start – not at the end
- Pick one single marketing channel and stay consistent
- Test pricing earlier – free users are no proof of a business model
Was It Worth It?
Yes. Not because of the numbers – those are still growing. But because today I have a product out in the world that I built without a co-founder, without external funding, and without a computer science degree. That changes how you look at problems. No longer: "Someone should solve this." Instead: "I could solve this."
That's the real value of the first launch. Not the revenue. The mindset shift.